Jahresabschluss und Bilanz einsehen in Österreich: alle Wege, Kosten und kostenlose Alternativen
Den Jahresabschluss jeder österreichischen GmbH, AG oder FlexCo darf jede Person einsehen, ohne Begründung. Er liegt in der Urkundensammlung des Firmenbuchs. Amtlich kostet er auf JustizOnline 1,52 € mit Login, bei Verrechnungsstellen ohne Registrierung 7,20 bis 15,90 € und am Landesgericht 19 €. Kostenlos und ohne Anmeldung geht es seit 2025 über Open-Data-Portale wie OpenFirmenbuch, Firmenatlas oder Researchly Firmendaten.
Bevor Sie für ein Dokument zahlen, sollten Sie eines wissen: Bei den meisten GmbHs steht im Jahresabschluss kein Umsatz. Kleine Gesellschaften müssen keine Gewinn- und Verlustrechnung offenlegen. Wer eine Bilanz öffnet, um den Umsatz eines Lieferanten oder Mitbewerbers zu finden, bekommt oft eine verkürzte Bilanz mit zwanzig Zeilen.
Dieser Beitrag zeigt alle Wege mit aktuellen Preisen, erklärt, was in welchem Abschluss steht, und wie Sie trotzdem an Umsatz und Gewinn herankommen.
Was kostet es, einen Jahresabschluss einzusehen?
Für einen schnellen Blick reicht ein kostenloses Open-Data-Portal. Einen amtlichen Nachweis für Bank, Behörde oder Gericht bekommen Sie nur über JustizOnline, eine Verrechnungsstelle, das Gericht oder ein Notariat. Der Preisunterschied für dasselbe Dokument ist erstaunlich groß.
| Weg | Kosten pro Jahresabschluss | Anmeldung nötig | Amtliches Dokument | Geeignet für |
|---|---|---|---|---|
| OpenFirmenbuch, Firmenatlas | 0 € | nein | nein | PDF schnell ansehen |
| Researchly Firmendaten | 0 € | nein | nein | Kennzahlen ohne PDF lesen |
| JustizOnline | 1,52 € | ja, ID Austria oder USP | ja | amtliche Einzelabfrage |
| Verrechnungsstelle mit Kundenkonto | ca. 2 € | ja, Vertrag | ja | Kanzleien, regelmäßige Abfragen |
| Verrechnungsstelle ohne Konto | 7,20–15,90 € | nein, nur E-Mail | ja | einmalig, ohne ID Austria |
| Landesgericht vor Ort | 19 € | nein | ja | persönliche Einsicht |
Stand: 30. September 2026. Die Gerichtsgebühren stammen aus der Gebührenübersicht im Unternehmensserviceportal, die Preise der Verrechnungsstellen haben wir direkt bei den Anbietern geprüft.
Wer muss seinen Jahresabschluss offenlegen?
Offenlegen müssen alle Kapitalgesellschaften: GmbH, AG, FlexCo und SE, dazu verdeckte Kapitalgesellschaften wie die GmbH & Co KG. Einzelunternehmen, OG und KG, bei denen ein Mensch persönlich haftet, legen nichts offen. Deren Bilanz finden Sie nirgends, auch nicht gegen Geld.
Die Frist steht in § 277 UGB: Spätestens neun Monate nach dem Bilanzstichtag muss der Abschluss beim Firmenbuchgericht sein. Bei einem Stichtag 31. Dezember ist das der 30. September des Folgejahres. Wer die Frist verpasst, bekommt nach § 283 UGB automatisch und ohne Mahnung eine Zwangsstrafe. Sie trifft die Gesellschaft und jede Geschäftsführerin und jeden Geschäftsführer einzeln.
| Größenklasse | Mindeststrafe pro Adressat |
|---|---|
| Kleinstkapitalgesellschaft | 350 € |
| Kleine Kapitalgesellschaft | 700 € |
| Mittelgroße Kapitalgesellschaft | 2.100 € |
| Große Kapitalgesellschaft | 4.200 € |
Die Strafe wiederholt sich alle zwei Monate, bis die Unterlagen beim Gericht sind. Eine kleine GmbH mit zwei Geschäftsführer*Innen zahlt also beim ersten Mal mindestens 2.100 €. Deshalb legen fast alle Gesellschaften pünktlich offen, und deshalb ist das Firmenbuch eine verlässliche Quelle. Die Details erklärt die Arbeiterkammer Wien.
Für Ihre Recherche folgt daraus eine Faustregel: Der aktuellste Abschluss ist fast immer der des Vorjahres, im Frühjahr sogar der des vorletzten Jahres. Wer im März 2026 eine GmbH prüft, sieht meist die Zahlen für 2024.
Was steht im Jahresabschluss, und warum fehlt so oft der Umsatz?
Was eine Gesellschaft einreicht, hängt von ihrer Größenklasse nach § 221 UGB ab. Kleine und Kleinstgesellschaften reichen keine Gewinn- und Verlustrechnung ein, deshalb sehen Sie bei ihnen keinen Umsatz. Seit dem Geschäftsjahr 2024 gelten um 25 Prozent angehobene Schwellenwerte (UGB-Schwellenwerte-Verordnung). Eine Gesellschaft fällt in eine Klasse, wenn sie zwei der drei Grenzen an zwei aufeinanderfolgenden Stichtagen einhält.
| Größenklasse | Bilanzsumme | Umsatz | Mitarbeitende | Was offengelegt wird | Umsatz sichtbar |
|---|---|---|---|---|---|
| Kleinst | bis 450.000 € | bis 900.000 € | bis 10 | verkürzte Bilanz | nein |
| Klein | bis 6,25 Mio. € | bis 12,5 Mio. € | bis 50 | verkürzte Bilanz und Anhang | nein |
| Mittelgroß | bis 25 Mio. € | bis 50 Mio. € | bis 250 | Bilanz, verkürzte GuV, Anhang, Lagebericht, Bestätigungsvermerk | oft nicht |
| Groß | darüber | darüber | über 250 | alles in voller Form | ja |
Bei mittelgroßen Gesellschaften steht oft nur das Rohergebnis in der GuV, weil sie Umsatz und Materialaufwand zu einem Posten zusammenfassen dürfen. Wie stark das die Sicht verzerrt, haben wir bei unserer Rangliste der größten Maschinenbauunternehmen Österreichs gesehen: ENGEL, TRUMPF und die drei Liebherr-Werke weisen in ihren österreichischen Abschlüssen keinen Umsatz aus.
Was Sie auch bei einer kleinen GmbH sehen:
- Bilanzsumme und die Aufteilung in Anlage- und Umlaufvermögen
- Eigenkapital mit Stammkapital, Rücklagen und Bilanzgewinn oder -verlust
- Verbindlichkeiten, davon mit Restlaufzeit bis zu einem Jahr
- Forderungen aus Lieferungen und Leistungen
- im Anhang meist die durchschnittliche Zahl der Mitarbeitenden
Das reicht für eine solide Einschätzung der finanziellen Lage. Für den Umsatz müssen Sie rechnen, dazu weiter unten mehr.
Kostenlos ohne Anmeldung: Open-Data-Portale
Seit Jänner 2025 stellt das Justizministerium die Firmenbuchdaten als High Value Datasets kostenlos zur Verfügung, ausdrücklich inklusive Jahresabschlüssen, Lageberichten und Prüfungsberichten. Grundlage ist eine EU-Durchführungsverordnung aus 2023, die alle Mitgliedsstaaten zur Freigabe verpflichtet. Seit März 2025 läuft die Schnittstelle produktiv.
Die Schnittstelle ist für Entwickler*Innen gebaut, nicht für Menschen, die schnell eine Bilanz ansehen wollen. Genau diese Lücke füllen mehrere Portale, die die Daten abrufen und im Browser zeigen.
| Portal | Jahresabschluss als PDF ohne Login | Kennzahlen ohne Login | Was eine Registrierung freischaltet |
|---|---|---|---|
| OpenFirmenbuch | ja | nein | nichts, alles frei |
| Firmenatlas | ja, alle Jahre | nein | nichts, alles frei |
| FirmenMonitor | nein | nein, nur Stammdaten | Kennzahlen und Rating |
| Researchly Firmendaten | nein, dafür ausgelesene Zahlen | ja, inklusive Vorjahre | nichts, Kennzahlen sind frei |
OpenFirmenbuch ist ein Projekt der Wiener WhizUs GmbH. Laut Kurier kommt es zu Spitzenzeiten auf 2.500 Abfragen am Tag, und der Betreiber plant keine Monetarisierung. Die Suche findet auch ähnlich geschriebene Namen, also Maier, Mayer und Meier.
Firmenatlas listet pro Firma alle eingereichten Jahresabschlüsse mit Stichtag, Einreichdatum und Aktenzeichen als Download, bei älteren Gesellschaften zurück bis etwa 2005. Das ist praktisch, wenn Sie eine Entwicklung über viele Jahre sehen wollen.
FirmenMonitor zeigt ohne Anmeldung nur Stammdaten wie Firmenbuchnummer, UID, Adresse und ÖNACE-Code. Kennzahlen und das eigene Rating gibt es erst nach einer kostenlosen Registrierung.
Researchly Firmendaten geht einen Schritt weiter als die PDF-Portale. Wir lesen die Jahresabschlüsse aus und zeigen Umsatzerlöse, Mitarbeitende, Bilanzsumme, Eigenkapital und Jahresüberschuss direkt im Firmenprofil, ohne Login und mit den Vorjahren. Sie müssen also kein PDF öffnen und keine Bilanzposten suchen. Wo die Gesellschaft keinen Umsatz offenlegt, steht auch bei uns keiner.


