Was ist ein Trendradar?
Ein Trendradar ist ein Tool, auf der Strategie- und Innovationsteams Entwicklungen nach Zeit und Wirkung ordnen, vom Handlungsbedarf in der Mitte bis zu schwachen Signalen am Rand. Sie bauen es für ein Produkt, einen Bereich oder eine Region, nicht für "die Trends 2026" allgemein.
Trendradar erstellen beginnt mit einem Suchfeld und einer Bewertungstabelle, nicht mit dem Kreis. Ringe stehen für Zeit oder Dringlichkeit, Segmente für Themenfelder; je näher zur Mitte, desto höher die Priorität.
Trendradar vs. Technology Radar
Diese beiden Begriffe werden oft synonym verwendet, sind aber, wenn auch ähnlich, unterschiedlich.
Der Trendradar ist Foresight für Strategie — Markt, Technik, Regulierung, Nachfrage in der Zeitachse Ihres Unternehmens.
Der Technology Radar von ThoughtWorks ist Engineering-Governance: Quadranten wie Tools, Plattformen, Sprachen, Techniken, Ringe wie Adopt, Trial, Assess und Hold (in neueren Ausgaben auch Caution). Die Frage ist, was Teams einsetzen, testen oder liegen lassen dürfen.
So erstellen Sie einen Trendradar
Sie können einen Trendradar allein bauen oder mit dem Team - in einem halben Workshop-Tag oder verteilt über mehrere Wochen. Tools wie Researchly übernehmen Scan und Erstbewertung aus vielen Quellen. Ob allein, im Team oder mit Software: entscheidend ist ein strukturierter Prozess zum Sammeln, Bewerten und Nachverfolgen der Signale.
Beim Trendradar erstellen gibt es keinen einzigen richtigen Ablauf. Branche, Unternehmensgröße, Entscheidungskultur und Update-Rhythmus ändern, wie viele Ringe Sinn machen, wer bewertet und wie oft Sie nachlegen. Der unten beschriebene Prozess ist kein Standard, sondern ein Ablauf, den wir bei Researchly bei vielen Unternehmen gesehen haben - und den wir auch in unserem Trendradar Software integrieren. In dieser Software können Sie zudem Segmente, Quellen, Skala und Zonenregel an Ihr Vorgehen anpassen, statt jeden Schritt von Hand zu pflegen.
1. Suchfeld definieren und Segmente festlegen
Suchfeld und Segmente legen fest, welche Entwicklungen auf Ihr Trendradar dürfen und in welche Ecken sie später fallen. Drei Wege führen oft zum gleichen Ergebnis. Sie können sie nacheinander kombinieren oder mit dem anfangen, der zu Ihrer Situation passt.
Von der Frage aus (top-down). Formulieren Sie eine Entscheidungsfrage, die das Radar beantworten soll.
- Schlecht: "Was sind die Trends 2026?"
- Besser: "Welche Entwicklungen verändern Vertrieb und Klinik-Einkauf unseres Medizintechnik-Geschäfts in DACH bis 2029?"
Legen Sie drei bis sechs Segmente fest in die spätere Signale passen. PESTEL ist eine gute Basis; ergänzen Sie Felder, in denen bei Ihnen Budget und Verantwortung sitzen. Ein Segment kann technisch, geschäftlich oder gesellschaftlich sein.
Beispiel Medizintechnik
- Bildgebung und KI
- Klinikprozess
- Regulierung und Erstattung
- Geschäftsmodell
- Personal
Sie können die Suchfelder zudem aus dem Team (bottom-up) erstellen. Wenn die strategische Frage noch unscharf ist, starten Sie mit dem, was im Unternehmen schon kursiert: Brainstorming mit Vertrieb, Produkt und Strategie, oder ein Durchlauf durch Slack, E-Mail und Projektnotizen. Wiederkehrende Themen ohne Trendnamen - verraten oft Segmente und schärfen das Suchfeld.
Von außen rein (Reverse Search). Statt nur bekannte Trendlisten abzuarbeiten, suchen Sie breit, was Ihr System treffen könnte: Patente, Papers, Regulierung außerhalb Ihrer üblichen Quellen. Horizon Scanning sitzt genau dort. Was Sie finden, ordnen Sie danach in Segmente ein; im nächsten Schritt benennt und priorisiert das Radar die Fundstücke.
Suchfeld und Segmente sind immer branchen- und firmenspezifisch. Ohne klares System - egal ob aus Frage, Team oder Reverse Search - wird aus dem Radar eine Megatrend-Collage.
2. Ringe definieren
Anders als Suchfeld und Segmente können Ringe oft generisch bleiben. Viele Unternehmen nutzen dieselben Zeithorizonte - unabhängig von Branche - weil die Fragen ähnlich sind: Was müssen wir dieses Jahr tun, was vorbereiten, was nur beobachten? Die Tabelle unten ist ein Vorschlag, den wir bei Researchly oft sehen; Sie können Namen und Grenzen anpassen, sollten sie aber vor dem Scouting festziehen. Sonst landet jedes Signal auf einem anderen Zeithorizont, und das Ergebnis ist nicht vergleichbar.
| Ring | Name | Zeithorizont | Bedeutung |
|---|---|---|---|
| 1, Mitte | Act | bis 12 Monate | Entscheidung oder Pilot in diesem Jahr |
| 2 | Prepare | 1 bis 3 Jahre | Fähigkeiten, Partner, Budget vorbereiten |
| 3 | Watch | 3 bis 5 Jahre | beobachten, keine große Wette |
| 4, Rand | Discover | 5 Jahre plus | schwaches Signal, Hypothese |
3. Signale sammeln
Wie Sie diese Liste füllen, hängt stark davon ab, ob Sie im Workshop starten oder vorher digital sammeln. Im Raum funktioniert Brainstorming und der Durchlauf interner Hinweise aus Schritt 1, aber ein Halbtag reicht nicht, um Patente, Förderdaten, Start-up-Funding und Fachpresse systematisch abzudecken. Das Risiko: bekannte Themen landen auf dem Radar, schwache Signale bleiben unsichtbar, und das Team entscheidet über Lücken, die niemand gesehen hat.
Praktischer Ablauf, den wir bei Researchly oft sehen:
- Erstens digital sammeln: mit KI-gestützten Scan-Tools, Websuche und den Quellen aus Reverse Search (Tabelle unten). Hier zählt Reichweite: viele Kandidaten mit Quelle und Datum, noch keine perfekte Shortlist.
- Zweitens zu Ereignissen verdichten: Cluster bilden, Duplikate streichen, nach Relevanz zum Suchfeld vorsortieren. Erst Grobfilter und Ranking, noch keine Ring-Zuordnung.
- Drittens Workshop mit vorbereiteter Liste: wenn Sie das Team einladen, legen Sie die vorverdichteten Ereignisse oder Kernsignale auf den Tisch. Dann geht es um Validierung, Lücken und Bewertung — nicht um „fällt Ihnen noch ein Trend ein?“.
Wer allein arbeitet oder keinen Workshop plant, überspringt den dritten Punkt und geht nach der Verdichtung direkt in die Bewertung. Wer nur im Workshop sammelt, sollte wenigstens vorab eine Quellentabelle mit fünf bis zehn externen Fundstücken vorbereiten, sonst fehlt die Außenperspektive.
| Quellentyp | Beispiele | Wofür |
|---|---|---|
| Fachpresse und Verbände | Branchenstudien, Ausschreibungen | Markt und Regulierung |
| Patente und Förderung | Espacenet, Förderdatenbanken | Frühe R&D-Signale |
| Start-ups und Funding | Crunchbase, Pressemitteilungen | Neue Geschäftsmodelle |
| Open Source | GitHub | Technik vor dem Mainstream |
| Forschung | arXiv, Semantic Scholar | Produktisierung in zwei bis fünf Jahren |
| Intern | Vertrieb, Key Accounts, Support | Was Kund*Innen schon fragen |
Beschreiben Sie jedes Signal in vier Zeilen: Name, was sich verändert, warum es Ihr System trifft, eine Quelle mit Datum. „Cloud Computing“ verstehen Vertrieb, IT und Einkauf anders — schreiben Sie einen Satz, den alle drei unterschreiben können.
4. Bewerten
Ohne gemeinsame Skala diskutiert das Team Labels, mit Skala Zahlen; das ist anstrengender, aber entscheidbar.
Bewerten Sie jedes Signal auf 1 bis 5:
- Impact: Wie stark trifft es Umsatz, Kosten, Risiko oder Differenzierung, wenn es eintritt?
- Zeithorizont: Wie bald wird es für uns spürbar? 1 = dieses Jahr, 5 = jenseits von fünf Jahren.
- Wahrscheinlichkeit: Wie belastbar ist die Evidenz?
- Signalstärke: Wie viele unabhängige Hinweise gibt es?
In regulierten Branchen lohnt oft eine fünfte Dimension Risiko (Compliance, Sicherheit, Umsetzungsaufwand). Dann gewichten Sie sie in der Zonenregel mit, statt sie informell mitzureden.
Definieren Sie pro Dimension, was 1 und 5 bedeuten — sonst vergleicht das Team Äpfel mit Birnen. Beispiel Impact:
| Score | Bedeutung |
|---|---|
| 1 | Kaum spürbarer Effekt, dünne Belege |
| 3 | Konkrete Piloten oder Fallstudien in der Branche |
| 5 | Breite Adoption oder harte Regulierung, die Handeln erzwingt |
Die Zone folgt einer Regel, die Sie vor der Abstimmung festhalten, sonst gewinnt Hierarchie. Vorschlag:
- Act: Impact ≥ 4 und Zeithorizont ≤ 2
- Prepare: Impact ≥ 4 und Zeithorizont 3
- Watch: Impact 3 oder Zeithorizont 4
- Discover: Rest, plus alles mit Wahrscheinlichkeit 1 bis 2
Ziehen Sie widersprüchliche Trends nicht künstlich zusammen. Gegenläufige Bewegungen dürfen nebeneinander stehen, etwa Konsolidierung im Klinikmarkt und gleichzeitig neue MVZ-Ketten. Das Radar darf Spannung zeigen.
Die Bewertungstabelle ist die eigentliche Trendradar Vorlage, das Kreisbild nur die Ansicht.
| ID | Trend | Segment | Impact (1–5) | Horizont (1–5) | Wahrsch. (1–5) | Zone | Quelle |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| T01 | KI-Assistenz in der Befundung | Bildgebung | 5 | 2 | 4 | Act | Fachkongress 2026 |
| T02 | NIS2 in Kliniknetzen | Regulierung | 5 | 1 | 5 | Act | Gesetzestext |
| T03 | Value-based Procurement | Markt | 4 | 3 | 3 | Prepare | Ausschreibungen |
| T04 | Teleradiologie-Netzwerke | Prozess | 3 | 4 | 3 | Watch | Verbandsreport |
| T05 | Subscription statt Geräte-Capex | Geschäftsmodell | 3 | 4 | 2 | Discover | Herstellerankündigungen |
Die Shortlist entsteht, indem Sie alles unter Impact 3 streichen, außer das Team argumentiert bewusst ein strategisches Watch-Thema.
5. Maßnahmen, Owner und Adoption-Trigger
Jeder Trend im Ring Act braucht einen Owner, eine nächste Handlung und ein Datum. Sonst haben Sie ein Stimmungsbild.
Typische Handlungen:
- Act: Pilot, Budget, Make-or-Buy, regulatorische Lücke schließen
- Prepare: Skill-Aufbau, Partnerliste, Datengrundlage
- Watch: Quartalsreview, eine verantwortliche Beobachter*In
- Discover: Hypothese notieren, nicht in die Roadmap drücken
Notieren Sie pro Prepare- und Watch-Thema, was passieren müsste, damit es hochgestuft wird — Blocker (Reife, Compliance, Skills) und konkrete Trigger (z. B. zwei Wettbewerber launchen mit demselben Feature). Ohne diese Sätze bleibt das Radar eine Momentaufnahme, die niemand neu bewertet.
Legen Sie einen Update-Rhythmus fest: quartalsweise für die meisten Branchen, monatlich in schnelllebigen Feldern. Ein Radar, das nach dem Offsite nie wieder geöffnet wird, verliert in der Geschäftsführung schnell Glaubwürdigkeit.
Wenn der Durchlauf endet, sollten Sie wissen, wer bis wann was tut - nicht nur, welche Punkte auf dem Kreis liegen.


