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Aktualisiert: 2026-02-08

AI in Professional Services: Use Cases für Beratung & Kanzleien

AI in Professional Services transformiert Beratung und Kanzleien. Praxiserprobte Use Cases für Research, Due Diligence und Vertragsanalyse – mit Governance-Leitfaden.

Leopold Bosankic

Leo ist CEO und Co-Founder von Researchly mit jahrelanger Erfahrung als Investment Manager, KI-Berater & Data Scientist.

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KI in Professional Services verkürzt Recherche- und Analysezyklen um 60-80%, während Teams mehr Zeit für Urteilsvermögen und Strategie gewinnen. Der Schlüssel liegt nicht in generischer Textgenerierung, sondern im verlässlichen Zugriff auf relevante Quellen – mit Zitierfähigkeit und Auditierbarkeit. Dieser Guide zeigt praxiserprobte Use Cases für Beratung und Kanzleien, inklusive Governance-Framework und Implementierungsplan.


Inhalt

  1. Warum KI jetzt in Beratung und Kanzleien ankommt
  2. Die fünf Fähigkeitsbausteine von AI in Professional Services
  3. Use Cases in der Beratung
  4. Use Cases in Kanzleien
  5. Priorisierungsmodell: Welche Use Cases zuerst?
  6. Governance, Datenschutz und Berufsgeheimnis
  7. Der Research-First-Ansatz als schnellster Hebel
  8. Realistischer Rollout-Plan
  9. Häufig gestellte Fragen

Warum KI jetzt in Beratung und Kanzleien ankommt

Zwei Treiber beschleunigen die Adoption:

1. Textintensive Kernaktivitäten: Marktanalysen, Due Diligence, Vertragsprüfung, Memo-Erstellung – generative KI und Retrieval-Systeme strukturieren, verdichten und vergleichen diese Informationen in Minuten statt Tagen.

2. Regulatorischer Druck: Der EU AI Act zwingt zur risikobasierten Bewertung von KI-Anwendungen . Wer jetzt pragmatisch startet, etabliert Standards, bevor Ad-hoc-Nutzung zur Schatten-IT wird.

Treiber Auswirkung Handlungsdruck
Textvolumen 70% der Arbeitszeit in Recherche/Dokumentation Hoch
EU AI Act Governance-Pflichten ab 2025 Hoch
Mandantenerwartungen Schnellere Turnaround-Zeiten Mittel
Talentmarkt Attraktivität für Digital Natives Mittel

Die fünf Fähigkeitsbausteine von AI in Professional Services

Für saubere Use-Case-Planung hilft eine Einteilung nach Fähigkeiten, nicht nach Tools:

Fähigkeit Beschreibung Typischer Output
Recherche & Wissenssynthese Quellen finden, bewerten, verdichten Strukturierte Briefings mit Belegen
Dokumentarbeit Entwürfe erstellen, redigieren, vereinheitlichen Memos, Proposals, Reports
Extraktion & Vergleich Klauseln, Kennzahlen, Risiken herausziehen Vergleichstabellen, Red-Flag-Listen
Workflow-Automation Routine-Schritte automatisieren Intake, Routing, Status-Updates
Q&A über interne Daten Assistenz mit Zugriff auf Wissensbasen Kontextbezogene Antworten

Der entscheidende Punkt: In Beratung und Kanzleien ist nicht die Textgenerierung der Engpass, sondern der verlässliche Zugriff auf relevante Quellen – inklusive Zitierfähigkeit und Auditierbarkeit .


Use Cases in der Beratung

Market- und Competitive Research: Von Tagen auf Stunden

Das Problem: Recherchen für Market Sizing, Wettbewerberprofile oder Trend-Analysen sind aufwendig. Oft arbeiten mehrere Teams parallel an ähnlichen Fragestellungen.

Der KI-Ansatz: Rechercheautomation mit Quellenintegration plus strukturierter Synthese – segmentiert nach Märkten, Regionen, Customer Types und Preislogiken.

Typische Outputs:

  • Wettbewerbslandschaft mit Positionierung und Differenzierungsmerkmalen
  • Marktstruktur, Wachstumstreiber, regulatorische Rahmenbedingungen
  • Hypothesenliste mit Quellenbelegen und offenen Fragen

Der Ansatz entspricht dem, was wir im Guide zu Trend-Analyse für Investoren und Berater detailliert beschreiben: systematische Signalsammlung statt Ad-hoc-Recherche .

Commercial Due Diligence: Schneller zur belastbaren Sicht

Das Problem: Geschwindigkeit und Nachvollziehbarkeit zählen. Die Informationslage ist fragmentiert – Datenräume, externe Quellen, Experteninterviews, interne Memos.

Der KI-Ansatz: Sofortige, strukturiert zitierte Due-Diligence-Berichte als Startpunkt, ergänzt um iterative Q&A:

"Was spricht gegen die zentrale Wachstumsthese?"

"Welche Risiken sind in Kundenkonzentration und Churn erkennbar?"

Kritisch: Jede Aussage muss auf konkrete Belege zurückgeführt werden können. Wie in der Studie zu Deal Sourcing mit AI dokumentiert, arbeiten LLM-Agenten bei Screening-Aufgaben bis zu 537-mal schneller als menschliche Analysten – aber nur mit sauberem Quellenbezug .

Proposal- und RFP-Produktion mit Qualitätsleitplanken

Das Problem: Proposals müssen schnell, konsistent und mandantenspezifisch sein. Viele Varianten verwässern Stil und Argumentation.

Der KI-Ansatz: KI als "Drafting Co-Pilot" für:

  • Erstentwürfe und Argumentationsstruktur
  • Executive Summary und Scope-Definition
  • Deliverables und Team-Setups

Ergänzt um interne Best Practices (Templates, Win Themes, Fallbeispiele), sofern diese sicher eingebunden werden. Die Prinzipien des Prompt Engineering für Finanzen und Strategie gelten hier direkt .

PMO und Workstream-Management: Weniger Status-Overhead

Das Problem: Projektteams verlieren Zeit in Status-Updates, Protokollen und To-do-Tracking.

Der KI-Ansatz: Automatisierte Zusammenfassungen aus Meeting-Notizen, Ableitung von Entscheidungen, Risiken, Next Steps, plus standardisierte Status-Formate.

Risikopunkt: Meeting- und Kundendaten sind hochsensibel. Hier entscheidet die Plattform-Architektur (Verschlüsselung, Datenhaltung, Mandantentrennung) darüber, ob der Use Case überhaupt tragfähig ist. Mehr dazu im Abschnitt Governance.


Use Cases in Kanzleien

Juristische Recherche mit Struktur und schnellerem Einstieg

Das Problem: Recherche ist selten "nur suchen". Es geht darum, Normen, Rechtsprechung und Kommentierung in eine tragfähige Argumentation zu übersetzen.

Der KI-Ansatz: Strukturierte Recherche-Workflows:

  1. Issue Spotting: Welche Rechtsfragen sind zentral?
  2. Argumentationsgerüste: Pro-und-Contra-Linien
  3. Mandantenmemos: In Kanzlei-Style formatiert

Leitplanke: KI beschleunigt den Einstieg. Die Endverantwortung bleibt beim Anwaltsteam.

Vertragsanalyse und Klauselvergleich

Das Problem: Hohe Dokumentvolumina, Zeitdruck, unterschiedliche Vertragsstände.

Der KI-Ansatz:

Funktion Output
Klausel-Extraktion Haftung, Kündigung, Change of Control, Datenschutz
Playbook-Vergleich Abweichungen von Kanzlei-Standards
Risiko-Scoring Priorisierte Prüfliste

Der Workflow entspricht dem Ansatz, den wir für KI-Agenten im Finanzwesen bei Due Diligence beschreiben: Auditierbarkeit ist nicht optional, sondern Pflicht .

eDiscovery und Dokumentenklassifikation

Das Problem: In Streitigkeiten und internen Untersuchungen ist die Materialmenge der Flaschenhals.

Der KI-Ansatz:

  • Vorklassifikation und Themen-Clustering
  • Priorisierung von Dokumentensträngen
  • Erkennung von Kommunikationsmustern

Wichtig: Nachvollziehbarkeit und Reproduzierbarkeit (Audit Trail) sind in Streitkontexten zentral. Kanzleien sollten Standards definieren, wann und wie KI-Ausgaben im Verfahren verwendet werden dürfen.

Compliance und Regulatory Change Monitoring

Das Problem: Regulatorik ändert sich kontinuierlich. Die Auswirkung auf Policies und Verträge ist nicht immer offensichtlich.

Der KI-Ansatz:

  • Monitoring relevanter Updates
  • Zusammenfassung nach betroffenen Bereichen (Datenschutz, IT-Sicherheit, Lieferkette)
  • Ableitung von Maßnahmenlisten

Dieser Ansatz entspricht dem Horizon Scanning, das wir für Früherkennung regulatorischer Risiken empfehlen.


Priorisierungsmodell: Welche Use Cases zuerst?

Nicht jeder Use Case sollte sofort produktiv gehen. Entscheidend sind Datenrisiko, Fehlerfolgen, Integrationsaufwand und Messbarkeit.

Use Case Typischer Nutzen Datensensitivität Fehlerfolgen Gute Startbedingung
Externes Market Research Schnelleres Scoping Mittel Mittel Klare Quellenliste, Zitierpflicht
Proposal-Entwürfe Kürzere Durchlaufzeiten Mittel bis hoch Mittel Template-Standards, Review-Prozess
Vertragsklausel-Extraktion Schnellere Reviews Hoch Hoch Playbooks, Human-in-the-loop
Due Diligence Synthese Zeitgewinn, bessere Struktur Hoch Hoch Strenge Quellenführung
PMO Zusammenfassungen Weniger Overhead Hoch Mittel Sichere Verarbeitung

Faustregel: Starten Sie mit Use Cases, bei denen Quellen klar sindMenschen final entscheiden und Outputs standardisiert werden können.


Governance, Datenschutz und Berufsgeheimnis

In Professional Services ist KI-Einführung weniger ein Modellproblem als ein Governance-Problem. Diese Punkte müssen Sie früh klären:

Vertraulichkeit und Mandantendaten

Kanzleien unterliegen strengen Verschwiegenheitspflichten. Beratungen arbeiten mit hochsensiblen Unternehmensdaten.

Praktische Konsequenzen:

  • Keine unkontrollierte Tool-Nutzung für Mandanteninhalte
  • Klare Datenklassifizierung (öffentlich, intern, vertraulich, streng vertraulich)
  • Berechtigungen und Mandantentrennung für Wissensbasen

Nachvollziehbarkeit und Zitierfähigkeit

Für Due Diligence, Legal Memos und Strategiepapiere gilt: Aussagen müssen überprüfbar sein.

Standards:

Anforderung Umsetzung
Quellenanzeige Pro Kernaussage dokumentiert
Versionierung Datenbasis und Template-Version
Review-Protokolle Wer hat geprüft, was wurde geändert

Modellrisiken: Halluzinationen und veraltete Informationen

KI kann überzeugend formulieren, auch wenn Inhalte falsch sind. Das ist kritisch, weil Outputs als Entscheidungsgrundlage dienen.

Wirksame Gegenmaßnahmen:

  • Retrieval mit kuratierten Quellen statt reiner Generierung
  • Qualitätschecks (Plausibilität, Gegenhypothesen, Zahlenabgleich)
  • Red-Flag-Mechanismen ("Unsichere Aussage markieren")

Dies entspricht dem "Red Teaming"-Ansatz, den wir auch für Multi-Agenten-Systeme im VC empfehlen .


Der Research-First-Ansatz als schnellster Hebel

Viele Teams starten mit generischer Textgenerierung und merken schnell: Der Engpass ist nicht das Schreiben, sondern die verlässliche, schnelle Recherche und die Synthese über viele Quellen.

Das typische Muster:

  1. Analysten verbringen 50% ihrer Zeit mit Datensammlung
  2. 30% mit Strukturierung und Formatierung
  3. Nur 20% mit eigentlicher Analyse und Empfehlungen

KI invertiert dieses Verhältnis – wenn sie auf Research fokussiert ist.

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Realistischer Rollout-Plan

Ein belastbarer Ansatz für Beratung und Kanzleien ist ein gestufter Rollout:

Phase 1: Pilot mit klaren Grenzen (4-6 Wochen)

  • 1-2 Use Cases auswählen
  • Erlaubte Datenquellen definieren (öffentliche Quellen oder abgegrenzter Projektdatenraum)
  • Review-Regeln setzen
  • Messgrößen vorab festlegen: Durchlaufzeit, Rework-Rate, Konsistenz

Phase 2: Standardisierung (6-12 Wochen)

  • Prompt- und Output-Templates
  • Styleguides und Zitierregeln
  • "Definition of Done" für KI-unterstützte Deliverables

Phase 3: Skalierung und Integration

  • Ausweitung über Teams, Mandate und Regionen
  • Stärkere Systemintegration
  • Verankerung als Capability im Operating Model

Dieser Ansatz entspricht dem, was wir im VC-Prozess-Automatisierung-Audit als erfolgreich dokumentiert haben .


Häufig gestellte Fragen


Von der Recherche zur Entscheidung: Der Engpass ist nicht das Schreiben

Die größte Produktivitätshürde in Beratung und Kanzleien ist nicht die Dokumentenerstellung – es ist die verlässliche Informationsbasis. Während Sie diesen Artikel gelesen haben, wurden neue Geschäftsberichte veröffentlicht, Wettbewerber haben ihre Positionierung geändert, und regulatorische Updates sind erschienen.

Researchly unterstützt Beratungen und Professional-Services-Teams dabei, Research-Workflows zu automatisieren – mit quellenbasierten Analysen, strukturierten Outputs und Enterprise-Sicherheitsstandards. Von Market Intelligence über Due Diligence bis zur Wettbewerbsanalyse.

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