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Aktualisiert: 2026-02-04

KI-Ideen generieren: So prompten VCs & Berater kreativer als ganze Teams

Studie zeigt: KI generiert mit Chain-of-Thought-Prompting Ideen so divers wie Menschengruppen. Der Guide für VCs & Berater inkl. Prompts.

Leopold Bosankic

Leo ist CEO und Co-Founder von Researchly mit jahrelanger Erfahrung als Investment Manager, KI-Berater & Data Scientist.

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Eine aktuelle Studie zeigt: Mit der richtigen Prompt-Strategie übertrifft GPT-4 die Ideenvielfalt menschlicher Teams. Was das für VCs, Berater und Strategen bedeutet.


Inhalt

  1. Das Problem: Warum KI-Ideen oft zu ähnlich sind
  2. Die Studie: Chain-of-Thought als Game-Changer
  3. Praktische Anwendung: Welche Prompting-Strategien funktionieren
  4. Die Parallele zu Multi-Agenten-Systemen
  5. Integration in Trend-Analyse und Deal Sourcing
  6. Implementation: So starten Sie
  7. Fazit: Wie Researchly bei der Ideengenerierung unterstützt

Das Problem: Warum KI-Ideen oft zu ähnlich sind

Kreativität und Innovation erfordern drei Dinge: viele Ideen, qualitativ hochwertige Ideen und eine hohe Varianz zwischen den Ideen. Während KI-Systeme wie GPT-4 bei der Quantität und oft auch bei der Qualität überzeugen, haben sie ein fundamentales Problem: Ihre Ideen sind sich zu ähnlich.

Das limitiert den praktischen Nutzen erheblich. Denn Innovation entsteht nicht aus 100 Variationen derselben Idee, sondern aus der Exploration unterschiedlicher Lösungsräume.

Dimension Menschliche Teams KI (ohne Optimierung)
Ideenmenge Begrenzt durch Zeit Nahezu unbegrenzt
Durchschnittliche Qualität Variabel Oft hoch
Diversität/Varianz Hoch Niedrig

Die zentrale Frage: Kann man durch gezieltes Prompt Engineering die Ideenvielfalt von KI-Systemen steigern – und wenn ja, wie?


Die Studie: Chain-of-Thought als Best Practice

Ein Paper aus 2024 von Wissenschaftler*Innen der Wharton School hat genau diese Frage untersucht. Die Ergebnisse sind bemerkenswert – und direkt anwendbar.

Die Methodik

Die Forscher nutzten Kosinus-Ähnlichkeit als Metrik für Ideenvielfalt. Je niedriger der Wert, desto unterschiedlicher die Ideen. Menschliche Brainstorming-Gruppen erreichten einen Durchschnittswert von 0,243. GPT-4 ohne spezielle Prompts lag bei 0,377 – also deutlich weniger divers.

Was getestet wurde

Verschiedene Prompt-Strategien wurden verglichen:

  • Personas (z.B. "Du bist Steve Jobs")
  • Emotionale Aufforderungen ("Sei mutig und unkonventionell")
  • Kreativitätstechniken (Design Thinking, SCAMPER)
  • Hybrid-Brainstorming
  • Chain-of-Thought (CoT)

Das Ergebnis

Chain-of-Thought Prompting war mit Abstand am effektivsten. Die CoT-Methode erzielte eine Kosinus-Ähnlichkeit von 0,255 – nahezu identisch mit menschlichen Teams (0,243).

Noch beeindruckender: Die Anzahl eindeutiger Ideen stieg von ca. 3.700 auf 4.700 – ein Plus von fast 30%.

Warum CoT funktioniert

Chain-of-Thought zwingt das Modell, Ideen durch mehrere, voneinander getrennte Schritte zu entwickeln:

  1. Erstellen einer breiten Liste von Ansätzen
  2. Anpassen und Diversifizieren der Ideen
  3. Ausarbeiten detaillierter Beschreibungen

Dieser Prozess verhindert, dass das Modell in lokale Optima "einrastet" und immer ähnliche Ideen produziert.


Praktische Anwendung: Welche Prompting-Strategien funktionieren

Für VCs, Berater und Strategen ergeben sich konkrete Handlungsempfehlungen:

Strategie 1: Chain-of-Thought für Ideengenerierung

Statt: "Generiere 50 Geschäftsideen für den Healthcare-Sektor"

Besser:

  1. Schritt 1: Liste 10 fundamental unterschiedliche Problemfelder im Healthcare-Sektor auf.
  2. Schritt 2: Für jedes Problemfeld, identifiziere 3 unkonventionelle Lösungsansätze aus anderen Branchen.
  3. Schritt 3: Kombiniere die vielversprechendsten Ansätze zu konkreten Geschäftsideen mit USP und Zielgruppe.

Strategie 2: Hybrid-Ansätze

Die Studie zeigte auch: Die Überschneidung zwischen verschiedenen Prompt-Strategien ist gering. Das bedeutet, dass Hybrid-Ansätze – bei denen mehrere Methoden kombiniert werden – besonders robuste Ergebnisse liefern.

Strategie Stärke Kombination mit
CoT Höchste Diversität Personas für Tiefe
Personas Spezifische Perspektiven CoT für Struktur
Emotionale Prompts Unkonventionelle Ideen Kreativitätstechniken

Strategie 3: Iterative Verfeinerung

Die Forscher empfehlen, Ideen nicht in einem Durchgang zu generieren, sondern iterativ zu verfeinern – ähnlich wie menschliche Teams in Brainstorming-Sessions arbeiten


Die Parallele zu Multi-Agenten-Systemen

Die Erkenntnisse zur Ideengenerierung spiegeln einen breiteren Trend wider: Strukturiertes, iteratives Reasoning führt zu besseren KI-Ergebnissen als einfache Prompts.

DIALECTIC: Argumentatives Reasoning für Startup-Screening

Ein verwandter Ansatz zeigt sich im DIALECTIC-Framework für Startup-Screening. Dort nutzen Multi-Agenten-Systeme argumentatives Reasoning, um Investment-Entscheidungen zu treffen.

Das Prinzip ist ähnlich:

Ideengenerierung (CoT) Startup-Screening (DIALECTIC)
Ideen in Schritten entwickeln Argumente iterativ verfeinern
Diversität durch Struktur Qualität durch Kritik
Mehrere Perspektiven einnehmen Pro- und Contra-Agenten

Der gemeinsame Nenner: "Survival of the Fittest" für Gedanken

Bei DIALECTIC "überleben" Argumente nur, wenn sie der Kritik spezialisierter Devil's-Advocate-Agenten standhalten. Bei CoT-Ideengenerierung werden Ideen durch strukturierte Schritte "gefiltert" und diversifiziert.

Das Muster: Einfache KI-Abfragen liefern mittelmäßige Ergebnisse. Strukturierte, iterative Prozesse – ob für Ideen oder Analysen – führen zu Outputs, die mit menschlicher Expertise konkurrieren können.


Integration in Trend-Analyse und Deal Sourcing

Für VCs und Berater ist Ideengenerierung selten isoliert. Sie ist Teil eines größeren Prozesses: Trends erkennen → Opportunity Spaces identifizieren → Konkrete Ideen entwickeln → Validieren.

Der 4-Stufen-Workflow

Wie in unserem Guide zur Trend-Analyse für Investoren beschrieben, folgt systematische Innovation einem klaren Prozess:

  1. Signale sammeln – aus Patenten, News, Funding-Daten
  2. Clustern – Themen automatisch gruppieren
  3. Klassifizieren – nach Impact, Maturity, Relevanz bewerten
  4. Analysieren – Opportunity Spaces identifizieren

Wo Ideengenerierung ansetzt

CoT-basierte Ideengenerierung ist besonders wertvoll in Stufe 4: Wenn Sie einen vielversprechenden Opportunity Space identifiziert haben (z.B. "Vertical AI für Legal"), können Sie KI nutzen, um konkrete Geschäftsmodelle, Features oder Anwendungsfälle zu generieren.

Beispiel-Workflow:

  1. Trend-Analyse identifiziert: "AI für Contract Analysis" wächst +340%
  2. Opportunity Space: B2B Legal Tech für Mittelstand unterbesetzt
  3. CoT-Ideengenerierung:
    • Schritt 1: 10 unterschiedliche Contract-Typen im Mittelstand
    • Schritt 2: Für jeden Typ: 3 KI-Anwendungsfälle
    • Schritt 3: Priorisierung nach TAM und technischer Machbarkeit
    1. Output: 5 konkrete Produktideen mit Validierungskriterien

Implementation: So starten Sie

Für Sofort-Ergebnisse: CoT-Template

Adaptieren Sie diesen Prompt aus dem Paper:

Generate new product ideas with the following requirements: The product will target college students in the United States. It should be a physical good, not a service or software. I'd like a product that could be sold at a retail price of less than about USD 50. The ideas are just ideas. The product need not yet exist, nor may it necessarily be clearly feasible. Follow these steps. Do each step, even if you think you do not need to. First generate a list of 100 ideas (short title only) Second, go through the list and determine whether the ideas are different and bold, modify the ideas as needed to make them bolder and more different. No two ideas should be the same. This is important! Next, give the ideas a name and combine it with a product description. The name and idea are separated by a colon and followed by a description. The idea should be expressed as a paragraph of 40-80 words. Do this step by step!

Warum der CoT-Prompt funktioniert

Spezifische Leitplanken (Constraints)

Anstatt nur nach „Produktideen“ zu fragen, setzt der Prompt klare Grenzen:

  • Zielgruppe: College-Studenten in den USA.
  • Format: Nur physische Güter (keine Software/Dienstleistungen).
  • Preisrahmen: Unter 50 USD.
  • Warum das gut ist: KI neigt bei zu allgemeinen Anfragen zu klischeehaften Antworten. Diese Einschränkungen zwingen die KI, in einem realistischen Marktrahmen zu „denken“.

Siehe auch unser KI-Research Playbook

Psychologische Erlaubnis zur Kreativität

Der Satz „The product need not yet exist, nor may it necessarily be clearly feasible“ nimmt der KI die „Angst“ (bzw. die programmierte Tendenz), nur logische und langweilige Standardlösungen zu liefern. Es öffnet den Raum für echte Innovation.

„Chain of Thought“ und Iteration (Schritt-für-Schritt)

Der Prompt nutzt die Anweisung „Follow these steps. Do each step, even if you think you do not need to.“

  • Quantität vor Qualität: Zuerst 100 Ideen zu generieren (Schritt 1), nutzt die Fähigkeit der KI zur Massenproduktion.
  • Selbstreflexion: In Schritt 2 wird die KI angewiesen, ihre eigenen Ideen kritisch zu prüfen und „kühner“ (bold) zu machen. Das verhindert, dass die KI einfach 100-mal fast das Gleiche sagt (z.B. 10 verschiedene Notizbücher).

Strukturierte Formatierung

Die Anweisung, Namen und Beschreibungen mit einem Doppelpunkt zu trennen und eine genaue Wortzahl (40–80 Wörter) einzuhalten, ist entscheidend:

  • Es macht das Ergebnis lesbar und strukturiert.
  • Die Wortzahlvorgabe zwingt die KI dazu, genug Details zu liefern, um die Idee greifbar zu machen, ohne in irrelevantes Geschafel zu verfallen.

5. Vermeidung von Redundanz

Der explizite Befehl „No two ideas should be the same. This is important!“ adressiert eine bekannte Schwäche von Large Language Models (LLMs): Wenn man nach großen Mengen fragt (z.B. 100 Stück), fangen sie oft an, sich zu wiederholen. Dieser explizite Warnhinweis erhöht die Varianz.


Für systematische Integration: Agenten-Workflows

Wie bei Multi-Agenten-Systemen für Due Diligence können Sie verschiedene "Rollen" definieren:

Agent Aufgabe
Ideengenerator CoT-basierte Ideenentwicklung
Critic Ideen auf Schwächen prüfen
Market Validator Marktpotenzial einschätzen
Synthesizer Top-Ideen zusammenführen

Achtung: Was Sie beachten sollten

Die Studie zeigt beeindruckende Ergebnisse – aber es gibt wichtige Einschränkungen:

1. Metriken haben Grenzen

Kosinus-Ähnlichkeit ist ein mathematisches Maß, das nicht alle Aspekte menschlicher Ideenbewertung erfasst. Eine Idee kann "mathematisch divers" sein, aber praktisch irrelevant.

2. Qualität ≠ Diversität

Mehr unterschiedliche Ideen bedeuten nicht automatisch mehr gute Ideen. Human Oversight bleibt essenziell – die KI generiert den Rohstoff, Menschen bewerten und verfeinern.

3. Modellabhängigkeit

Die Ergebnisse wurden mit GPT-4 erzielt. Andere Modelle können sich unterschiedlich verhalten. Testen Sie Ihre Prompts mit Ihrem spezifischen Setup.

4. Ideensättigung

Nach ca. 750 Ideen sinkt der Grenznutzen deutlich. Unbegrenzte Ideengenerierung ist also kein Selbstzweck – irgendwann ist der Lösungsraum erschöpft.

5. Zukunft

Die Studie ist aus 2024. Neuere Modelle, spezielle jene mit Reasoning, könnten nochmals andere Ergebnisse liefern.

5. Daten

Alle Ideen basieren auf dem Trainingsdaten der Modelle. Dadurch sind die Idee zwar divers aber vielleicht veraltet. Meine Emfehlung: Prompts mit Marktdaten (bestehende Ideen, Trends, Wettbewerber) kombinieren, um aktuelle Ideen zu generieren.


Wie Researchly bei Ideengenerierung und Research unterstützt

Das Problem, das die Studie aufzeigt: Gute Prompting-Strategien wie Chain-of-Thought erfordern Struktur und Iteration. Gleichzeitig müssen generierte Ideen mit Marktdaten validiert werden – von Trend-Signalen über Wettbewerbsanalysen bis zu Funding-Daten.

Die eigentliche Herausforderung ist nicht die einzelne Idee, sondern der durchgängige Prozess: Von der Trend-Erkennung über die Ideengenerierung bis zur Validierung.

Was Researchly bietet:

  • Strukturierte Ideengenerierung mit spezialisierten Agenten, die CoT und Multi-Perspektiven-Ansätze automatisch anwenden
  • Direkte Trend-Integration – generieren Sie Ideen basierend auf aktuellen Markt-Signalen aus 50+ Datenquellen
  • Validierung in Echtzeit – prüfen Sie Ideen sofort gegen Wettbewerbsdaten, Funding-Aktivität und Marktgröße
  • Nachvollziehbare Argumentationsketten – verstehen Sie, warum bestimmte Ideen vielversprechend sind

Wenn Sie sehen möchten, wie sich KI-gestützte Ideengenerierung und systematisches Research in Ihren Investment- oder Strategieprozess integrieren lassen:

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