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Aktualisiert: 2026-02-08

AI Industry Analysis: Frameworks für Markt, Wettbewerb & Moat

AI Industry Analysis für PE, VC & Consulting: Praxistaugliche Frameworks für Marktanalyse, Wettbewerbsbenchmarking und Moat-Bewertung. Inkl. Checklisten & AI-Workflow.

Leopold Bosankic

Leo ist CEO und Co-Founder von Researchly mit jahrelanger Erfahrung als Investment Manager, KI-Berater & Data Scientist.

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Eine belastbare AI Industry Analysis basiert auf drei Frameworks: Marktanalyse (Segmentierung + TAM-Triangulation + Profit Pools), Wettbewerbsanalyse (Benchmark-Matrix + Five Forces mit AI-Anpassungen) und Moat-Analyse (Evidence-Mechanism-Durability). KI beschleunigt das Sammeln und Strukturieren von Daten massiv, aber ohne klare Frameworks produziert sie "plausible" Narrative, die nicht investierbar sind. Dieser Guide liefert die praxistauglichen Strukturen für PE, VC und Consulting – inklusive Checklisten, Tabellen und einem AI-Workflow, der IC-taugliche Memos ermöglicht.


Inhalt

  1. Was eine gute AI Industry Analysis leisten muss
  2. Framework 1: Marktanalyse – von "TAM" zu realer Zahlungsbereitschaft
  3. Framework 2: Wettbewerbsanalyse – jenseits von "Top 10 Players"
  4. Framework 3: Moat-Analyse – von Buzzwords zu Evidenz
  5. AI-Workflow: So nutzt du KI, ohne die Analyse zu verwässern
  6. Deliverable: Eine IC-taugliche Struktur für dein Industry Memo
  7. Häufig gestellte Fragen

Was eine gute AI Industry Analysis leisten muss

Industrieanalysen entscheiden in PE, VC und Consulting oft darüber, welche Deals priorisiert werden, wie tief man in Commercial Due Diligence einsteigt und welche Risiken man früh adressiert. Gleichzeitig sind sie notorisch zeitintensiv: Fragmentierte Quellen, widersprüchliche Zahlen, schwer vergleichbare Wettbewerber.

Eine belastbare Analyse beantwortet nicht nur "Wie groß ist der Markt?", sondern vor allem:

  • Wo entsteht Wert in der Wertschöpfungskette, und wer capturt ihn?
  • Welche Segmente wachsen wirklich, und warum? (Treiber, Adoption, Regulatorik)
  • Wie ist Wettbewerb strukturiert? (Preisdruck, Differenzierung, Go-to-Market)
  • Welche Moats sind real, messbar und verteidigbar?
  • Welche Risiken sind dealrelevant? (Abhängigkeiten, Compliance, Konzentration, Substitution)

KI hilft dabei, Signale schneller zu finden und zu synthetisieren. Frameworks sorgen dafür, dass du die richtigen Fragen stellst, sauber belegst und am Ende eine Entscheidungsvorlage bekommst, die einem IC oder Steering Committee standhält.


Framework 1: Marktanalyse – von "TAM" zu realer Zahlungsbereitschaft

1) Markt sauber abgrenzen (Segmentierung vor Größenordnung)

Bevor du Zahlen sammelst, fixiere den Scope in drei Dimensionen:

Dimension Leitfragen
Produkt-/Use-Case-Scope Welche Jobs-to-be-done werden gelöst, und welche nicht?
Kundensegmente SMB vs. Enterprise, Branchencluster, Buyer-Persona (CFO, Ops, IT, Procurement)
Geografie und Regime EU/US/APAC, Regulierung, Datenlokalität, Beschaffungslogik

In AI-getriebenen Märkten ist die Abgrenzung besonders wichtig, weil viele Anbieter "AI" als horizontalen Claim nutzen, aber vertikal sehr unterschiedliche Budgets und Kaufprozesse bedienen.

2) Marktgröße triangulieren (Top-down, Bottom-up, Reality Checks)

Verlasse dich nicht auf eine einzige Analysten-Schätzung. Gute Praxis ist Triangulation:

Methode Wie sie funktioniert Stärken Typische Fallstricke Wann sinnvoll
Top-down Gesamtmarkt aus Studien, dann Down-Cut nach Segmenten Schnell, guter Startpunkt Segment-Annahmen oft weich, Doppelzählungen Frühphase, Screening
Bottom-up Anzahl Kunden × Preis/ARPA × Penetration Näher an Realität, gut für ICP-Segmente Kundenanzahl und Preisannahmen müssen belegt sein DD, Go-to-Market-Plan
Proxy-/Adjacency Budgettöpfe, Alternativkosten, Tool-Replacements Starker "Willingness-to-pay"-Anker Gefahr, nur "Spend" statt "Value" abzubilden Disruptive Kategorien
Triangulation Mehrere Methoden, Widersprüche erklären Erhöht Robustheit Mehr Aufwand IC-reife Memos

KI ist hier besonders stark beim Auffinden von Segmentdaten (Verbandsreports, RFP-Pattern, Pricing-Referenzen, Job-Postings als Nachfrageindikator), aber schwächer beim finalen Reality Check. Den musst du mit klaren Annahmen und Quellenlogik selbst führen. Für eine detaillierte Anleitung zur Tool-gestützten Marktanalyse siehe unseren Guide zu KI-Tools für strategische Marktanalyse .

3) Wachstumslogik erklären (Treiber, Constraints, Adoption)

Marktwachstum ist nicht gleich "CAGR aus Report". Für eine investierbare Story brauchst du Treiber und Bremsen:

Treiber, die du explizit testen solltest:

  • Regulatorik/Compliance als Pull-Faktor oder Bremse (z.B. EU AI Act, Anforderungen an Transparenz, Auditierbarkeit)
  • Workforce- und Produktivitätsdruck (Automatisierung, "do more with less")
  • Data/Platform Shifts (Cloud-Migration, API-Ökosysteme, neue Standards)

Constraints, die oft übersehen werden:

  • Procurement-Zyklen (insb. Enterprise), Sicherheitsreviews, Vendor Risk
  • Datenzugang (Rechte, Qualität, Interoperabilität)
  • Switching Costs und Change Management auf Kundenseite

Für eine tiefere Analyse der Wachstumstreiber in AI-Märkten bietet unser Artikel zu Artificial Intelligence Industry: Trends, Treiber, Risiken  zusätzlichen Kontext.

4) Wertschöpfungskette und Profit Pools (wer verdient wirklich?)

Gerade in AI-Industrien liegt der Fehler häufig darin, "TAM" dort zu messen, wo Umsatz sichtbar ist, obwohl der Profit Pool woanders liegt.

Praktische Fragen:

  • Welche Layer existieren? (Daten, Infrastruktur, Modelle, Applikation, Distribution, Services)
  • Wo ist Differenzierung möglich, wo ist Kommoditisierung wahrscheinlich?
  • Wer besitzt den Customer Access? (Distribution ist oft wichtiger als Modellqualität)

Eine strukturierte Value Chain Analyse  hilft, diese Fragen systematisch zu beantworten.


Framework 2: Wettbewerbsanalyse – jenseits von "Top 10 Players"

1) Wettbewerbsraum modellieren (direkt, indirekt, "Do nothing")

Eine saubere Wettbewerbsanalyse enthält drei Ebenen:

Ebene Definition Beispiel
Direkte Wettbewerber Gleicher Use Case, ähnliche Buyer Persona, ähnlicher Preisanker Zwei AI-Due-Diligence-Tools für VCs
Indirekte Wettbewerber Alternative Wege zum selben Outcome Outsourcing, Suite-Tools, interne Teams
"Do nothing" Status quo Excel, manuelle Prozesse, interne Abstimmungen

KI hilft, Longlists zu bauen. Der Wert entsteht aber, wenn du anschließend die Anbieter nach "Wettbewerb um dasselbe Budget" sortierst. Unser Tutorial So findest du mit KI deine wichtigsten Wettbewerber  zeigt den praktischen Workflow.

2) Porters Five Forces mit AI-spezifischen Ergänzungen

Porter ist weiterhin nützlich, wenn du ihn an die AI-Realität anpasst:

Force AI-spezifische Anpassung
Threat of new entrants Open Source, Cloud-Services, sinkende Modellkosten senken Eintrittsbarrieren
Bargaining power of suppliers Abhängigkeit von Datenquellen, Cloud, Foundation-Model-Anbietern
Bargaining power of buyers Procurement, Multi-Vendor-Strategien, Preistransparenz
Threat of substitutes Suite-Anbieter, interne Tools, Prozessänderungen
Rivalry Feature-Parität vs. Differenzierung über Workflow, Compliance, Integration

Zusatzdimension: "Dependency risk" (Plattform-Policies, Modellzugang, Datenlizenzen). Für Beispiele aus der Praxis siehe Five Forces Porter Beispiel Automobilindustrie .

3) Competitive Benchmarking als Matrix (nicht als Text)

Statt 20 Absätze zu schreiben, baue eine vergleichbare Matrix. Wähle wenige, aber entscheidende Dimensionen:

Dimension Was du misst Warum es zählt Typische Belege
ICP-Fit Zielkunden, Branchen, ACV-Range Bestimmt Wachstumshebel und Sales Motion Case Studies, Stellenausschreibungen, Partnerseiten
Workflow-Tiefe Punktlösung vs. End-to-End Reduziert "AI demo, no rollout"-Risiko Produktdoku, Integrationslisten
Daten/Quellen Proprietär, lizenziert, öffentlich, Kundendaten Basis für Qualität und Skalierung Quellenangaben, Datenpartnerschaften
Trust/Compliance Security, Governance, Auditierbarkeit Enterprise-Dealfähigkeit Security-Statements, Zertifizierungen
Distribution Partnerschaften, Channels, Plattformen Moat-Kandidat Integrations-Ökosysteme, Reseller

Nutze KI, um zu jedem Wettbewerber dieselben Felder zu befüllen und Quellen zu referenzieren. Wichtig ist eine konsistente Taxonomie. Für AI-Tools, die diesen Prozess unterstützen, siehe Die besten AI Tools für die Konkurrenzanalyse .

4) Win/Loss Signale und Pricing-Mechanik testen

Wenn möglich, ergänze Desk Research durch Indikatoren, die näher an realen Deals sind:

  • Win/Loss-Signale aus öffentlichen Referenzen (Case Studies), Job-Posts (Tooling), Partner-Listings
  • Pricing-Mechanik (seat-based, usage-based, outcome-based, enterprise license)
  • Implementation Friction: Time-to-value, Integrationsaufwand, Professional Services Anteil

Framework 3: Moat-Analyse – von Buzzwords zu Evidenz

"Moat" ist das am häufigsten überstrapazierte Wort in AI-Pitches. Eine gute Moat-Analyse ist evidenzbasiertzeitlich(wie lange hält er?) und kontextbezogen (gegen wen?).

1) Moat-Typen, die in AI-Märkten wirklich zählen

Moat-Typ Beschreibung AI-Relevanz
Distribution Moat Embedded in bestehende Workflows, starke Partnerschaften Oft wichtiger als Modellqualität
Switching Costs Datenmigration, Prozessintegration, Compliance-Freigaben Stark bei System-of-Record-Rolle
Data Advantage Exklusive Daten, bessere Labels, Feedback-Loops Nur wenn schwer kopierbar
Workflow/Process Moat End-to-End Execution statt "Model as a feature" Reduziert Kommoditisierungsrisiko
Network Effects Marketplace, Community, gemeinsame Datenbasis Selten, aber sehr stark
Regulatory/Trust Moat Enterprise Security, Governance, Audit Trails Kritisch für regulierte Branchen
Brand und Category Leadership First-Mover-Vorteil Relevant bei hohem Buyer Risk

2) Moat als Checkliste: Evidence, Mechanism, Durability

Stelle Moat-Hypothesen immer in diesem Dreischritt dar:

Moat-Hypothese Harte Evidenz (Beispiele) Typische Red Flags
Data Advantage Exklusive Datenrechte, langfristige Lizenzen, klare Feedback-Loop-Metriken "Wir haben viele Daten" ohne Rechte/Qualität
Switching Costs Tiefe Integration, Prozesse, Compliance-Freigaben, Training Onboarding in Tagen ohne Lock-in
Distribution Channel-Deals, Plattform-Listings, Co-Sell Motion Abhängigkeit von einem Partner
Trust/Compliance Nachvollziehbare Sicherheits- und Governance-Story Security nur als Marketing
Network Effects Mehr Nutzer erhöhen Wert für alle "Mehr Nutzer" ohne Interaktionsmechanik

Wichtig: Viele AI-Produkte haben kurzfristig einen "Feature Moat". Das ist selten verteidigbar, weil Features schnell kopiert werden. Prüfe deshalb, ob der Moat außerhalb des Modells liegt.

3) Moat Erosion aktiv modellieren

Zwei Erosionspfade sind besonders häufig:

(1) Modell-Kommoditisierung: Leistungsfähigkeit wird günstiger und verfügbarer. Differenzierung verschiebt sich zu Daten, Workflow, Trust und GTM.

(2) Plattform-Shifts: OS-, Cloud- oder Suite-Anbieter integrieren den Use Case nativ. Punktlösungen müssen entweder tiefer werden (End-to-End) oder in Distribution gewinnen.

Für eine tiefere Analyse dieses Phänomens siehe Figma's Death: Innovator's dilemma, AI moats & Vibe Coding .


AI-Workflow: So nutzt du KI, ohne die Analyse zu verwässern

KI ist am stärksten als "Research Copilot": sammeln, strukturieren, vergleichen, Widersprüche markieren. Sie ist am schwächsten, wenn sie Fakten ohne Quellen "erfindet".

Die vier Prinzipien für robusten KI-Einsatz

1) Source-first statt Story-first

Lass dir Aussagen immer mit Quellen belegen und trenne sauber:

  • Fakt (mit Quelle)
  • Annahme (mit Begründung)
  • Interpretation (deine Schlussfolgerung)

2) Konflikte sichtbar machen

Wenn zwei Quellen unterschiedliche Zahlen liefern, ist das kein Fehler, sondern ein Signal. Gute Analysen erklären, warum die Zahlen differieren.

3) Risiko-Frameworks ergänzen

Für AI-bezogene Risiken ist ein anerkannter Rahmen hilfreich, z.B. das NIST AI Risk Management Framework als Struktur für Governance-, Bias-, Security- und Operational-Risiken.

4) Security und Datenschutz nicht nachgelagert behandeln

Gerade in PE/VC/Consulting ist Research oft deal-sensitiv. Prüfe bei Tools immer, wie sie mit Daten umgehen.

Für fortgeschrittene Techniken zum Umgang mit LLMs in Finanz- und Strategiekontexten siehe unseren Prompt Engineering Leitfaden für Finanzen und Strategie .


Deliverable: Eine IC-taugliche Struktur für dein Industry Memo

Wenn du am Ende ein 2 bis 6-seitiges Memo liefern willst, das Entscheidungsträger wirklich nutzen, hat sich diese Struktur bewährt:

Memo-Struktur

Abschnitt Inhalt
Markt Definition, Segmente, TAM/SAM/SOM (mit Triangulation), Wachstumslogik (Treiber/Constraints), Profit Pools
Wettbewerb Wettbewerbsraum, Top-Anbieter nach Segment, Benchmark-Matrix, Pricing-Mechanik, Differenzierungslogik
Moat und Risiken Moat-Hypothesen (Evidence, Mechanism, Durability), Erosionspfade, AI- und Compliance-Risiken, Abhängigkeiten
Implikationen Welche Segmente sind "investable", welche Thesen sind testbar, welche Open Questions bestimmen die nächste DD-Welle

Für Beispiele, wie solche Memos strukturiert werden, siehe Investment Memo schreiben: Template, Struktur und Beispiele .


Von Frameworks zu belastbaren Ergebnissen

Die größte Hürde bei systematischer Industry Analysis ist nicht die Methodik – es ist die kontinuierliche Datensammlung und Synthese. Fragmentierte Quellen, widersprüchliche Zahlen und schwer vergleichbare Wettbewerber kosten Teams Stunden, die sie für strategische Bewertung nutzen könnten.

Researchly unterstützt VCs, PE-Fonds und Strategieberater dabei, Markt-, Wettbewerbs- und Due-Diligence-Recherchen systematisch zu automatisieren. Unsere spezialisierten KI-Agenten sammeln Daten aus 50+ Quellen, strukturieren sie nach Ihren Frameworks und liefern quellenbasierte Synthesen – mit nachvollziehbaren Belegen für jeden Datenpunkt .

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