Five Forces Analyse erstellen – Anleitung & Beispiele
Die meisten Anleitungen zu Porters Five Forces erklären, was die fünf Kräfte bedeuten. Sie sagen selten, wie Sie die Analyse konkret durchführen, welche Leitfragen Sie stellen und wo die typischen Fehler liegen. Das Ergebnis: Stundenlange Recherche, oberflächliche Bewertungen und ein Dokument, das niemand nutzt.
Das Five Forces Modell (1979, Michael E. Porter) analysiert die Branchenattraktivität über fünf Wettbewerbskräfte. Consultport und Consulting LIFE erklären die Theorie. Dieser Guide zeigt den Prozess: vier Schritte, eine Vorlage und konkrete Beispiele. Wer die Analyse in 60 Sekunden haben will, nutzt das Researchly Five Forces Tool.
Was ist die Five Forces Analyse?
Die Five Forces Analyse (auch 5-Kräfte-Modell oder Branchenstrukturanalyse) untersucht fünf Kräfte, die den Wettbewerb und damit die Rentabilität einer Branche bestimmen. Sie liefert keine internen Stärken und Schwächen eines Unternehmens, sondern die Struktur des Marktes. Das Modell beantwortet die Frage: Ist diese Branche überhaupt attraktiv?
Porter hat das Framework 1979 in der Harvard Business Review veröffentlicht. Seitdem ist es der Standard für Branchenanalysen in Beratung, Strategie und Investment. Die fünf Kräfte wirken gleichzeitig und beeinflussen sich gegenseitig. Eine hohe Lieferantenmacht kann die Rivalität unter Wettbewerbern verschärfen. Starke Substitute können die Kundenmacht erhöhen.
Die fünf Wettbewerbskräfte
| Kraft | Leitfragen | Beispiele |
|---|---|---|
| Rivalität unter bestehenden Wettbewerbern | Wie viele Player? Marktkonzentration? Preiskampf oder Differenzierung? | Automobilindustrie: VW, BMW, Tesla, BYD – extrem intensiv |
| Verhandlungsmacht der Lieferanten | Wie viele Lieferanten? Wechselkosten? Spezialisierung? | Batteriezellen: CATL, LG, Samsung – hohe Konzentration |
| Verhandlungsmacht der Kunden | Wie informiert sind Kunden? Volumen? Wechselkosten? | Flottenkunden bei Autos: starke Verhandlungsposition |
| Bedrohung durch neue Anbieter | Eintrittsbarrieren? Kapitalbedarf? Regulierung? | SaaS: niedrige Barrieren; Pharma: sehr hoch |
| Bedrohung durch Substitute | Gibt es Alternativen, die denselben Bedarf decken? | Carsharing als Substitut für Autobesitz |
Die Tabelle ist eine Checkliste. Für jede Kraft fragen Sie: Wie stark wirkt sie auf die Branche, und warum? Die Antworten sind branchenspezifisch. Eine Five Forces für die Automobilindustrie sieht anders aus als eine für Fitnessstudios.
Five Forces Analyse erstellen: vier Schritte
Schritt 1: Branche und Abgrenzung definieren
Was analysieren Sie genau? Eine Branche (z.B. Automobilindustrie), einen Markt (z.B. E-Autos in Deutschland) oder ein Segment (z.B. Premium-Fitnessstudios)? Die Abgrenzung bestimmt, welche Wettbewerber, Lieferanten und Substitute relevant sind.
Ohne klare Definition wird die Analyse beliebig. "Die Tech-Branche" ist zu breit. "B2B-SaaS für HR-Software in der DACH-Region" ist handhabbar.
Schritt 2: Jede Kraft einzeln bewerten
Für jede der fünf Kräfte recherchieren Sie die relevanten Faktoren. Typische Quellen: Branchenberichte, Marktstudien, Jahresberichte von Branchenverbänden, Earnings Calls und Wettbewerbsanalysen.
Bewerten Sie jede Kraft: hoch, mittel oder niedrig. Entscheidend ist die Begründung. "Rivalität: hoch" reicht nicht. "Rivalität: hoch, weil fünf Player über 70% Marktanteil haben, das Branchenwachstum stagniert und die Fixkosten einen Preiskampf begünstigen" – das ist verwertbar.
Schritt 3: Gesamtattraktivität ableiten
Die fünf Kräfte wirken zusammen. Eine Branche mit hoher Rivalität, starker Lieferantenmacht und starken Substituten ist tendenziell unattraktiv. Niedrige Eintrittsbarrieren verschärfen das Bild. Umgekehrt: moderate Kräfte auf allen Ebenen deuten auf eine attraktive Branche hin.
Erstellen Sie eine Gesamtbewertung. Nicht als Zahl, sondern als Einschätzung: attraktiv, neutral oder unattraktiv – mit Begründung.
Schritt 4: Strategische Implikationen ableiten
Die Five Forces Analyse endet nicht bei der Bewertung. Die Frage ist: Was folgt daraus? Welche strategischen Optionen ergeben sich? Sollten Sie in die Branche eintreten, aussteigen oder Ihre Position absichern?
Ohne diesen Schritt bleibt die Analyse eine Sammlung von Einschätzungen. Mit ihm wird sie ein Input für Entscheidungen.
Five Forces Vorlage zum Ausfüllen
| Kraft | Bewertung (hoch/mittel/niedrig) | Begründung | Implikation |
|---|---|---|---|
| Rivalität unter Wettbewerbern | |||
| Verhandlungsmacht Lieferanten | |||
| Verhandlungsmacht Kunden | |||
| Bedrohung neue Anbieter | |||
| Bedrohung Substitute | |||
| Gesamtattraktivität |
Diese Vorlage können Sie in Excel, Word oder PowerPoint übernehmen. Edit.org und Visual Paradigm bieten kostenlose Vorlagen. Wer eine KI-gestützte Analyse mit echten Daten will, nutzt das Researchly Five Forces Tool.
Five Forces vs. PESTEL vs. SWOT: Wann welches Framework?
| Five Forces | PESTEL | SWOT | |
|---|---|---|---|
| Fokus | Branchenstruktur | Externes Makroumfeld | Unternehmen oder Projekt |
| Ebene | Branche | Markt, Region | Unternehmen |
| Typische Anwendung | Markteintritt, Branchenattraktivität | Standort, Investmentprüfung | Strategie, Projektbewertung |
Five Forces und PESTEL ergänzen sich: Five Forces deckt die Wettbewerbsstruktur ab, PESTEL die externen Makrofaktoren (politisch, wirtschaftlich, sozio-kulturell, technologisch, ökologisch, rechtlich). Die SWOT-Analyse ergänzt um interne Stärken und Schwächen. Beraterinnen und Strateginnen kombinieren in der Praxis alle drei. Den Überblick über strategische Analyse-Tools bietet der Tool-Vergleich.
Five Forces Beispiele: Automobilindustrie und Fitnessstudio
Researchly hat Five Forces Analysen für zwei Branchen erstellt. Beide zeigen, wie die fünf Kräfte branchenspezifisch wirken.
- Five Forces Automobilindustrie: Hohe Rivalität (VW, BMW, Tesla, BYD), starke Lieferanten bei Batterien und Chips, Kundenmacht durch Flottenkäufer, neue Anbieter (Tesla, Nio, Apple), Substitute (Carsharing, E-Bikes, ÖPNV)
- Five Forces Fitnessstudio: Hohe Rivalität, niedrige Eintrittsbarrieren für Boutique-Studios, Substitute (Home-Fitness, Peloton, Outdoor), heterogene Lieferanten- und Kundenmacht je nach Segment
Die Automobilindustrie ist kapitalintensiv mit hohen Eintrittsbarrieren, aber disruptiven neuen Playern. Die Fitnessbranche hat niedrige Barrieren und starke Substitute. Beide Branchen sind tendenziell unattraktiv – aber aus unterschiedlichen Gründen.
Manuell vs. KI-gestützt
| Manuell | KI-gestützt (Researchly) | |
|---|---|---|
| Dauer | 4-12 Stunden | 60 Sekunden |
| Aktualität | Abhängig von Ihren Quellen | Echtzeit-Daten |
| Vollständigkeit | Oft ungleich (eine Kraft tiefer als andere) | Alle 5 Kräfte gleich tief |
| Reproduzierbarkeit | Schwer | Ein Klick |
Manuelle Analysen lohnen sich, wenn Sie tief in eine Nische einsteigen, interne Expertise einbinden oder einen Workshop mit Entscheider*innen führen wollen. Für Standardfälle (Branche, Markt) liefert ein KI-Tool schneller ein vollständiges Bild. Die 50+ ChatGPT-Prompts für Five Forces unterstützen die manuelle Erstellung, wenn Sie mit LLMs arbeiten wollen.
Typische Fehler vermeiden
Zu generisch. "Die Wettbewerbsintensität ist hoch" ist keine Five Forces Aussage. Konkret: Welche Wettbewerber? Welche Marktanteile? Welche Treiber?
Branche und Unternehmen verwechseln. Five Forces analysiert eine Branche, nicht ein einzelnes Unternehmen. Die SWOT-Analyse ist das Gegenstück auf Unternehmensebene.
Keine Implikationen. Die Analyse endet bei der Bewertung. Die Frage "Was tun wir damit?" bleibt unbeantwortet.
Veraltete Daten. Eine Five Forces von 2022 ist 2026 wertlos. Branchenstrukturen ändern sich. KI-Tools nutzen aktuelle Daten, manuelle Analysen brauchen regelmäßige Updates.
Von der Analyse zur Strategie
Die Five Forces Analyse ist ein Standard-Framework. Die Umsetzung entscheidet, ob sie nützt oder Papier bleibt. Vier Schritte, fünf Kräfte, eine Vorlage. Wer die Analyse in 60 Sekunden haben will, startet mit dem Researchly Five Forces Tool. Wer manuell arbeitet, nutzt die 50+ ChatGPT-Prompts für Five Forces.




